Historie
Mit der Eröffnung der Schmalspurbahn zwischen Grünstädtel und Oberrittersgrün begann für Rittersgrün neben der bereits erfolgten Industrialisierung auch die Zeit des Tourismus. Mehr und mehr Erholungssuchende kamen in den für sein mildes Klima bekannten Bergort Rittersgrün, der auch als Ausgangspunkt für Ausflüge zum nahen und höchsten Berg des Erzgebirges, dem Fichtelberg, diente und heute noch dient.
Als typisch königlich sächsisches Eisenbahndienstgebäude wurde das Empfangsgebäude des Endbahnhofes in Oberrittersgrün angelegt. Markant für Gebäude dieser Epoche war die Verwendung von Sandstein aus dem Elbsandsteingebirge und bis Anfang der 40er Jahre des 20. Jahrhunderts das unverputzte Klinkermauerwerk des oberen Stockwerkes. In den 1940er Jahren erhielt das Gebäude sein heutiges Aussehen. Um den Reisenden etwas erzgebirgisches Ambiente zu vermitteln, wurde 1939 im Warteraum (heute als Ausstellungsraum und Eingangsbereich zum Museum genutzt) zum 50-jährigen Jubiläum der Bahn eine Eckbank mit Holzverkleidung und massivem Holztisch eingebaut. Letzte Veränderung gab es 2004, als das ehemalige Stationsvorsteherbüro zu einem seperaten Souvenirverkaufsraum um- bzw. ausgebaut wurde.
Bereits im Juni 1971 entwickelte der Ortschronist Gerhard Lang die ersten Ideen zum Aufbau einer technischen Schauanlage - dem Vorläufer des heutigen Museums. Rittersgrüner Heimatfreunde bildeten recht bald eine Arbeitsgemeinschaft, die den Bahnhof Oberrittersgrün als Zeuge der Verkehrsgeschichte und technisches Denkmal bewahren wollte. Am 18. Oktober 1971 erteilte die Reichsbahndirektion Dresden die Zustimmung zu diesem Vorhaben. Vier Güterwagen, zwei Personenwagen, ein Gepäckwagen und ein Aussichtswagen, ferner die Lokomotive 99 579 aus Kirchberg, wurden für dieses Vorhaben zur Verfügung gestellt. Am 15. Januar 1972 fuhr dieser Museumszug als letzter Zug von Grünstädtel nach Oberrittersgrün.
Nach vielen Monaten kostenloser freiwilliger Arbeitsstunden konnte dann am 18. Juni 1977 der Lokschuppen und ein Teil der Außenanlage als "Technische Schauanlage" unter großer Aufmerksamkeit der Bevölkerung feierlich eröffnet werden.
Viele Exponate sind Eigentum des Vereins Sächsisches Schmalspurbahn-Museum Rittersgrün e.V. Hierbei hatte der damalige Vorsitzende des Fördervereins (Bernd Kramer aus Schwarzenberg) nach 1990 großen Anteil beim Aufspüren und Beschaffen von historischen Schmalspurfahrzeugen und Diesellokomotiven aus der Industriegeschichte der DDR.
Ein wesentlicher Bestandteil der ständigen Museumsarbeit ist neben dem Sammeln und Erforschen auch die Erhaltung und Bewahrung der Gebäude und des Fahrzeugparks. Dank mehrerer AB-Maßnahmen sowie Fördermittelbereitstellungen der Landesstelle für Museumswesen und dem Amt für ländliche Neuordnung konnten in den letzten Jahren wichtige Vorhaben an Restaurierungen von Schienenfahrzeugen, Gestaltung ständiger Ausstellungen und die Sanierung von
Gebäuden vorgenommen werden.
Durch das steigende Freizeitangebot in der Gesellschaft hat sich das Besucherverhalten in der Museumslandschaft geändert. Mehr und mehr sind bei den Besuchern des Museums Erlebnisbereiche gefragt. So hatte sich das Sächsische Schmalspurbahn-Museum die Aufgabe gestellt, eine kleine Fahrstrecke innerhalb des Ortszentrums von Rittersgrün aufzubauen. Daraus entstand mittlerweile durch die Initiative des Museums die Rittersgrüner Parkbahn (RPB) auf dem angrenzenden Museumsgelände. Der Besucher hat heute die Möglichkeit, eine Fahrt mittels historischer Schienenfahrzeuge entlang des oberen Pöhlbachtales zu erleben. Seit einiger Zeit führt nun auch durch die Gemeinde ein Eisenbahnlehrpfad, auf dem sich der interessierte Spaziergänger gleichzeitig über Firmenanschlüsse, Streckenbeschilderungen und historische Brückenbauten der ehemaligen Pöhlwassertalbahn informieren kann.
Weiterführende Informationen zu unserem Museum finden Sie im Museumsführer "Sächsische Museen - Museum Rittersgrün" (ISBN 3-422-03082-4), welcher u.a. auch im Museum käuflich erworben werden kann. Weitere Literatur wie das Fachbuch "Die Pöhlwassertalbahn Grünstädtel - Oberrittersgrün" (Kramer/Heinrich), aber auch viele kleine, nützliche und spielbare Kleinigkeiten kann der Besucher in unserem Souvenirverkauf erwerben.
